Hammermeister: Das Lackthema hat alles bestimmt

Eine hochwertige Oberfläche ist für Innenausbauer ein Muss. Die Wege dahin können freilich sehr unterschiedlich sein. Für Hammermeister | Raumobjekt in Heinsberg stehen Natürlichkeit und das Arbeiten mit wasserlöslichen Lacken im Mittelpunkt. Geschliffen wird mit einer Brillant-Breitbandschleifmaschine von Kündig. - Michael Hobohm

„Während die Gestaltung in vielen Dingen wieder deutlich reduzierter wird, wird an anderer Stelle zunehmend mehr gestaltet. Es bewegt sich an beiden Enden“, sieht Thomas Hammermeister Trends beim Innenausbau. „So richten wir zum Beispiel gerade ein Haus ein, wo in jede Dusche ein Wet-System von Wall & Decò kommt. Geklebt werden hier keine Fliesen, sondern Tapeten mit Dekoren und Bildern, von denen jede Bahn ein Unikat ist. Ein traumhaftes System.“ Zugleich gebe es wieder komplett weiße Küchen und einen Schwarz-Weiß-Trend; auch Industriedesign sei ein Thema, das jedoch möglicherweise schon am Zenit sei. In jedem Fall müssten neue Wege erschlossen werden. „Hierzu gehört auch Holz, das aktuell wieder stark gefragt ist“, schätzt der Innenausbauer ein. „Ich bin ein Verfechter von Eiche, die bei uns häufig im Mittelpunkt der Einrichtung steht: Schließlich ist es ein heimisches Holz, das gute Eigenschaften für eine langlebige Einrichtung mitbringt.“ Ohnehin sei Natürlichkeit – in großer Bandbreite der Umsetzung – ein wichtiger Trend bei den Materialien. Daher ist es nur konsequent, dass Hammermeister den Ansatz bei der Beschichtung fortsetzt. Zum Beispiel, indem er Naturholzeffekte mit wasserbasierten Lackierungen erzeugt. Eine gute Nutzbarkeit für den Kunden sei dabei das A und O. „Zum Beispiel mit einem guten 2K-System, das nach Jahren steht wie am ersten Tag.“

Die komplette Einrichtung bieten

1994 gegründet, ist Hammermeister | Raumobjekt im gehobenen Innenausbau tätig. 95 Prozent der Kundschaft sind Privatpersonen, die über den gesamten Ausbau betreut werden. „Boden, Decke, Wand, Möbel, Licht, Tapete, Fliese, Sanitär – damit beschäftigen wir uns tagtäglich“, so der Inhaber. „Dabei fassen wir alle Gewerke zusammen, koordinieren die Arbeiten der Subunternehmer und machen letztlich die komplette Einrichtung.“ Leistungsverzeichnisse führt Hammermeister bei all dem nicht aus. Alles, was der Betrieb fertigt, entsteht an seinem Planungstisch. „Natürlich greifen wir bei Stuhl, Tisch, Garten- oder Polstermöbel auch das ein oder andere Mal auf Handelsware zurück“, so Hammermeister. „Zudem arbeiten wir mit Herstellern wie Delta Light intensiv beim Licht – eines unserer großen Themen – zusammen.“ Schlussendlich versteht sich Hammermeister als Bindeglied zum Kunden, dessen Vorstellungen er möglichst komplett umsetzen will. Dafür tritt er wie ein Innenarchitekt auf, definiert mit dem Kunden Budgets und arbeitet gestalterisch gesamtorientiert. „Hat der Kunde einen Wunsch, der nicht meinem bisherigen Leistungsportfolio entspricht, richte ich mich daran aus. Das erfordert eine hohe Flexibilität, die ich vom ganzen Team erwarte.“ Zwölf Mitarbeiter sind dies heute, die neben der Flexibilität auch für Kreativität, Qualität und Zuverlässigkeit stehen.

Umstellung auf wasserlösliche Systeme

Oberfläche, das heißt für Hammermeister vor allem Furnieren, Lackieren, Schleifen. „Ganz klassisch furnieren wir mit einer Ott Heizplattenpresse, seit einem Jahr haben wir aber auch eine Barth Vakuumpresse“, erzählt er. „Losgelöst von den 3-D-Teilen, die man damit fertigen kann, machen wir viele metallische Oberflächen oder setzen diverse Anleimer.“ Nicht selten würden auch Furniere aus Balkeneiche verarbeitet. „Eine Küche, in der wir metallische Oberflächen mit Rough-Cut-Eiche in Balkenoptik und Licht kombinieren, ist schon eine schöne Sache“, findet er. Lackiert werden die Bauteile auf einem Nestro-Stand, den man vor einiger Zeit auf wasserlösliche Systeme umgestellt habe. „Ein Riesenthema.“ Das Geringste sei hier noch der Invest in neue Spritzgeräte gewesen. Viel schwieriger zu klären war die Prozessführung, wo Fragen zur Auftragsmenge, Trocknung, Lagerung bis hin zum Lösemittelwechsel zu beantworten waren. „Beim Lackieren ist eine Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 40 Prozent erforderlich. Gehe ich darunter, trocknet der Lack zu schnell, und an der Oberfläche entstehen Unruhen“, nennt Hammermeister ein Beispiel. „Anfangs mussten wir hier Lehrgeld bezahlen, heute stimmen die Oberflächen.“ Aktuell wird in Heinsberg zu 90 Prozent mit Wasserlacken gearbeitet. Angestrebt sind zwar hundert, aber ein Rest an Lösemittelfarben wird wohl immer bleiben. Bei Metallic etwa.

Anspruch ,hochwertigster Schliff‘

Oberfläche, das heißt für Hammermeister insbesondere Schleifen, wo unlängst eine ältere Breitbandschleifmaschine abgelöst wurde. „Nicht nur, dass uns ihre Breite von 1,1 m zunehmend einschränkte“, begründet der Inhaber. „Vor allem mussten wir viel per Hand schleifen und nacharbeiten.“ Die Kanten sowieso, aber eben auch die Flächen. Immer mal wieder traten hier leichte Wellenschliffe auf oder wurde etwa bei Melaminharzplatten, die erst angeschliffen und dann lackiert werden, die Harzschicht durchgeschliffen. In der Folge musste wieder gefüllt und erneut geschliffen werden. Eine neue Breitbandschleifmaschine sollte hier finale Lackschliffqualität liefern. Dass sich Hammermeister nach Sondierung der „üblichen Verdächtigen“ bei Kündig schließlich am wohlsten fühlte, ist das Resultat intensiver Gespräche in Heinsberg, „bei denen wir die Konfiguration der Maschinen detailliert diskutiert haben“, betont Olaf Sträter, Außendienstmitarbeiter bei Kündig. „Der Anspruch war dabei stets der qualitativ hochwertigste Schliff, der Lackschliff.“ Um diese Qualität zu erreichen, wurde zum Beispiel die Positionierung des Querbandes diskutiert. Aber auch der Einsatz eines Diagonalaggregates und die Segmentierung resultierten aus diesen Gesprächen. „Bei der Zusammenstellung der Maschine hat letztlich das Lackthema alles bestimmt“, betont Sträter. „Das Konzept reicht bis hin zur Ionisierung und Werkstückabblasung, mit der die Brillant ausgerüstet wurde. Sobald nämlich der Anwender auf Lack geht, empfehlen wir das berührungslose Arbeiten. Schließlich treten bei einer Bürste nach einer gewissen Zeit immer irgendwelche Streifen auf, weil sich Schmutz ablagert. Bei der Ionisierung dagegen wird der Lackstaub erst gelöst, dann abgeblasen und letztendlich abgesaugt.“ Dass die Maschine stets saubere Teile verlassen, bestätigt denn auch der Innenausbauer.

Alles geht über die Kündig

Heute arbeitet Hammermeister mit einer Brillant-2 1350-CdH-LL von Kündig, die bei einer Arbeitsbreite von 1350 mm mit zwei Schleifaggregaten ausgestattet ist. Einem Aggregat in Diagonalschleiftechnologie, das eine gummierte Kalibrierwalze mit einem elektronisch gesteuerten, segmentierten Schleifschuh kombiniert, folgt in Vorschubrichtung ein Querband für die Hochglanzbearbeitung. Beide Aggregate sind mit einem Lackschliffpaket ausgerüstet und bringen damit in den Prozess eine variable Bandgeschwindigkeit, 22-mm-Segmentierung sowie Bandabblasung und -absaugung ein. Verbaut wurden im Ein- und Auslaufbereich zudem Bürstenteppiche von Mink, um einen besonders schonenden Umgang mit den Werkstücken zu gewährleisten. Mit der Brillant wird aktuell vom Holzklarlackschliff bis zum Weiß- oder Buntlack alles bearbeitet. „Wir können heute auch alle sensiblen Oberflächen schleifen, zum Beispiel dunkle. Früher mussten wir bei dunklen Lacken vor dem Schleifen noch eine Klarlackschicht aufbringen, um Verfärbungen zu vermeiden. Dieser Schritt ist ebenso entfallen wie Hand- oder Nachschleifarbeiten.“ Oft sind die Teile in Heinsberg auch sehr filigran und häufig wechselt die Plattenstärke. Die Sicherheit, dass sich die Maschine exakt einstellt und Fehlbedienungen ausgeschlossen sind, sei bei diesem Spektrum absolut gewährleistet. „Wir haben zu dem Produkt, das aus der Maschine kommt, ein hundertprozentiges Vertrauen“, fasst Hammermeister zusammen. „Dass die Maschine zu hundert Prozent funktioniert, ist vor allem auch deshalb wichtig, weil wir heute vom Lohn leben. Und weil sie das tut, geht alles, was wir schleifen, über die Kündig.“

Die Kante im Fokus

Nun ja, fast alles. Denn nachdem Hammermeister heute die Fläche fest im Griff hat, soll dies künftig auch bei den Kanten der Fall sein, insbesondere beim Handling. „Wir arbeiten im Kantenbereich oft mit relativ schmalen, scharfkantigen Radien“, berichtet er. „Die Frage ist: Wie gehen wir in Zukunft mit den täglichen Sonderbearbeitungen um? Wie garantieren wir reibungslose Abläufe?“ Eine mögliche Antwort hat Kündig auch darauf. „Mit der Flash bieten wir eine Kantenschleifmaschine an, die auch für Lacke und Hochglanzschliffe ausgelegt ist“, sagt Sträter. „Damit lassen sich nicht nur verschiedene Kanten schleifen, auch ein halb- oder vollautomatisiertes Handling ist in mehreren Ausbaustufen umsetzbar.“ Ohnehin ist Automatisierung ein Trend, den Hammermeister mit seinem Maschinenpark vorantreiben möchte: So liebäugelt er zum Beispiel mit einem System zur automatischen Lackierung. Verheiraten wird er das dann wieder mit seiner Schleiftechnik von Kündig.

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